Installation bestehend aus 5 Fotografien (je 50 x 75 cm)
und zwei Videos (je ca. 3 Min., Farbe, ohne Ton)
Anfang der 1980er Jahre auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges
gerät ein kleines Dorf nahe der innerdeutschen Grenze in den Mittelpunkt
eines von us-amerikanischen Militärs entwickelten Szenarios für einen
mit Atomwaffen geführten dritten Weltkrieg zwischen NATO und Warschauer
Pakt. Bekannt wird dies durch eine in den USA ausgestrahlte Fernsehdokumentation
über die Verteidigungsstrategie der Vereinigten Staaten. Darin entwicklen
US-Generäle Strategien für einen begrenzten Atomkrieg
in Mitteleuropa, das im Sprachgebrauch der Militärs european theatre
(europäischer Schauplatz) genannt wird. Das deutsche Fernsehen verhindert
eine Ausstrahlung der Dokumentation in der Bundesrepublik. Aktivisten der Friedensbewegung
gelingt es jedoch eine Kopie des Films zu erhalten. In der Folge wird der Film
zu einem wichtigen Aufklärungsinstrument der deutschen Friedensbewegung.
Die Installation „European theatre“ stellt Ausschnitte dieses Films einer Serie von fünf Fotografien gegenüber, die den Ort heute – über 20 Jahre nach dem Erscheinen des Filmes – zeigen. Die Filmausschnitte zeigen zum einen amerikanische Generäle bei Lehrgängen für atomare Kriegsführung, u. a. um ein Modell des Dorfes stehend. Dem gegenüber stehen Filmausschnitte, die die Bewohner des Dorfes bei einer öffentlichen Vorführung des Filmes zeigen.
Auf den Fotografien erscheint das Dorf menschenleer, mit karger Vegetation und ohne Fahrzeuge auf den Straßen, wie ausgestorben, wie ein Modell
seiner selbst.
© Wiebke Grösch/Frank Metzger